Deutscher Suchtkongress
Bd. 1 Nr. 1 (2023): Deutscher Suchtkongress
https://doi.org/10.18416/DSK.2023.1110

Postersession 2

Der Umstellungsprozess von Buprenorphin-Sublingualtabletten auf die monatliche subkutane Buprenorphin Depotinjektion bei opioidabhängigen Patienten - Herausforderungen und Risiken.

Hauptsächlicher Artikelinhalt

Stephanie Guillery (Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin), Sven Reiners (KMV - Krankenhaus des Maßregelvollzugs Berlin, Berlin), Marius Fahrner (Touro University Berlin, Berlin), Sören Enge (MSB - Medical School Berlin, Berlin), Rainer Hellweg (Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin), Hagen Kunte (MSH Medical School Hamburg, Hamburg)

Abstract

Hintergrund und Fragestellung
Aktuelle Forschung zu dem von der EU 2018 zugelassenen Buprenorphin Depot in der Substitutionsbehandlung opioidabhängiger Patienten zeigt bereits erwiesene Vorteile dieser Therapieform. In der vorliegenden Studie wird das Augenmerk vor allem auf den Umstellungsprozess von Buprenorphin Sublingualtabletten auf die Buprenorphin Depotinjektion aus Patientensicht gelegt.


Methoden
9 substituierte, im berliner Maßregelvollzug untergebrachte Patienten wurden mittels eines Fragebogens mit offenen Antwortmöglichkeiten zum Verlauf und Nebenwirkungen der Medikamentenumstellung befragt. 6 von diesen Patienten evaluierten im Rahmen einer Fragebogenbatterie ihr persönliches Erleben von körperlichem Wohlbefinden, Entzugserscheinungen, Suchtdruck, Behandlungszufriedenheit und Beikonsum illegaler Substanzen unter Buprenorphin Sublingualtabletten, sowie 4 und 16 Wochen nach der Umstellung auf die Buprenorphin Depotinjektion.


Ergebnisse
Die Patienten gaben 4 Wochen nach der Medikationsumstellung auf das Buprenorphin Depot über ein signifikant schlechteres körperliches Wohlbefinden und eine geringere Behandlungszufriedenheit an im Vergleich zu 16 Wochen unter dem Depot. Darüber hinaus berichteten sie 4 Wochen nach der Umstellung im Vergleich zur Behandlung mit Sublingualtabletten einen signifikant häufigeren Beikonsum illegaler Substanzen, ein schlechteres körperliches Wohlbefinden, eine geringere Behandlungszufriedenheit und stärkeren Suchtdruck. Patienten, die 16 Wochen mit dem Depot behandelt wurden, gaben im Vergleich zu Patienten unter den Sublingualtabletten signifikant häufigeren illegalen Beikonsum und geringere Behandlungszufriedenheit an.


Diskussion und Schlussfolgerung
Die Medikationsumstellung auf die neue Buprenorphin Depotinjektion scheint vor allem in den ersten Wochen Behandlungsrisiken zu bergen, welche jedoch temporär begrenzt zu sein scheinen. Eine umfassende Patientenaufklärung über mögliche Herausforderungen während der Medikationsumstellung auf das Depot könnte also ungünstigen Behandlungsverläufen und Fehlinterpretationen der Depottherapie entgegenwirken. Daher scheint eine engmaschige Patientenbetreuung in dieser sensiblen Phase sinnvoll und wichtig zur Erreichung der eigentlichen Behandlungsqualität der Depotinjektion nach der Umstellungsphase.


Offenlegung von Interessenskonflikten sowie Förderungen
Während der letzten 3 Jahre bestanden folgende wirtschaftlichen Vorteile oder persönliche Verbindungen, die die Arbeit zum eingereichten Abstract beeinflusst haben könnten: RH erhielt Honorare von AstraZeneca, Janssen-Cilag, Lundbeck, Merz, Novartis, Otsuka, Pfizer, und Servier. HK erhielt Honorare von Genzyme, Novartis und Teva.

Artikel-Details

Zitationsvorschlag

Guillery, S., Reiners, S., Fahrner, M. ., Enge, S., Hellweg, R., & Kunte, H. (2023). Der Umstellungsprozess von Buprenorphin-Sublingualtabletten auf die monatliche subkutane Buprenorphin Depotinjektion bei opioidabhängigen Patienten - Herausforderungen und Risiken . Deutscher Suchtkongress, 1(1). https://doi.org/10.18416/DSK.2023.1110